Es war wundervoll, dass der Zensurvorhang beinahe für den Rest des Tages herunterfiel. Doch das schränkt natürlich auch die kreativen Möglichkeiten für den Erzähler ungemein ein. Schließlich durfte nichts, aber auch gar nichts, dass sich hinter dem Vorhang abspielte, nach außen gelangen. Der Chef dieses Ladens hier kommt dem Erzähler immer mit dem bösen Wort „Jugendschutz“, bei dem sich unsere Wörterschmiedin zähneknirschend zurückhalten muss.
Während die beiden Verliebten sich also fast den ganzen Tag im Bett aufhielten, wurde es dunkel und es wurde Abend. Ryoko, die sich entfernt daran erinnern konnte, dass Haruka den kleinen Satansbraten abends wiederbringen wollte, verließ für einen Augenblick ihre göttliche Yumiko, um sich ein wenig frisch zu machen und sich wieder etwas anzuziehen. Viel Auswahl gab es nicht gerade, aber die Schwarzhaarige fand etwas Kartoffelsackartiges, dass ihr die Bauersfrau zum Arbeiten überlassen hatte und band es sich in der Taille mit einer Schnur zusammen. Und sie sah in dem Fetzen keineswegs wie ein Dorftrampel aus, nein, erstaunlicherweise machte die Nanikami darin eine gute Figur, was vielleicht auch daran lag, dass sie eine ebensolche besaß.
Bevor sie es schaffte wieder zu Yumi ins Bett zu krabbeln, klopfte es an der Tür, die Ryo auch gleich öffnete. Nett lächelnd stand Haruka mit Yoichi an der Hand davor. „So da ist der kleine Schatz schon wieder! Er war den ganzen Tag über sehr lieb, hat mir geholfen wo er nur konnte und er hat auch schon was gegessen. Jetzt muss er also nur noch selig ins Bettchen fallen. Du siehst wirklich schon viel besser als heute früh aus Rin … wo ist eigentlich Misa, ich hab sie lange nicht mehr gesehen. Es geht ihr doch hoffentlich gut?“ erzählte und fragte sie vergnügt und verlangte damit von Ryoko indirekt dieselbe Freundlichkeit. Glücklicherweise hatte auch sie lange genug auf dem Dorf gewohnt, um sich diese Art des Gespräches anzueignen, auch wenn sie etwas Mühe damit hatte, ihr Unglauben über das was sie über Yoichi gesagt hatte, zu verbergen.
„Vielen Dank nochmal für alles Haruka! So ein freier Tag hat mir gefehlt und Misa auch. Ihr geht es gut, sie kümmert sich nur lieber um das Essen, als mit Shiro in der Kälte zu sein.“ plapperte Ryo irgendwas daher. Die alte Frau musste ja nicht alles wissen. Der Missing wurde nur gerade immer deutlicher bewusst, was für ein Scheiß Name Misa doch war.
„Ja, das glaube ich gern! So Shiro, jetzt muss ich wieder zurück, sonst macht sich Daichi noch Sorgen um mich. Sei schön brav, ja?“ Haruka tätschelte seine Wange als sie mit ihm sprach. „Ich versprechs Tante Haruka. Ich werde ganz lieb sein!“ sicherte der Fünfjährige ihr zu. Ryoko hatte noch nie solch nette Worte aus seinem Mund vernommen, hatte die Alte ihn vielleicht verhext oder so etwas in der Art? „Sehr schön, aber dass mir auch wirklich keine Klagen kommen! Und Rin, wenn ihr morgen zum Arbeiten kommt, könnt ihr ihn gern wieder mitbringen. Ich finde schon eine kleine Beschäftigung für ihn. Also dann, bis dahin!“ winkend verabschiedete sich die Bäuerin in die Dunkelheit und Yoichi winkte ihr auch anständig nach, solange sie ihn noch sehen konnte. Danach trat er wortlos in die Höhle und steuerte zielstrebig in die Küche. Ryoko zuckte nur mit den Schultern, schloß die Tür und folgte ihm. Gerade noch rechtzeitig erreichte sie den Raum, bevor Yoichi damit beginnen konnte den Korb mit den leckeren Sachen zu plündern. Mit einem beherzten „Finger weg!“ griff sie mit ihrer rechten Hand nach seinem Handgelenk. Als Antwort streckte er ihr nur die Zunge entgegen, riss sich los und stürmte lärmend zu Yumi ins Schlafzimmer, die sich bestimmt sehr über seine Wiederkehr freute.